Kids programmieren - Erfahrungen aus dem Kurs

kinder vor dem Computer Bild

Um was geht es?

Seit einigen Monaten biete ich mit sar3edu einen Programmierkurs für Kinder an (Kids programmieren). In diesem lernen die Kinder und Jugendliche ab etwa 8 Jahren die Grundkonzepte der Softwareentwicklung in spielerischer Weise kennen. Zwei Stunden an den schulfreien Mittwochnachmittagen sitzen sie vor einem Computer und versuchen mit Scratch ein Spiel zu programmieren oder eine Animation zu erstellen.
Diese Programmierlernumgebung sehen die Schüler zum Teil in der Schule wieder, da es an vielen Schulen zum Lerninhalt gehört. Die Umgebung ist unter anderem auch auf Deutsch übersetzt, so dass man keine neue Sprache - nämlich das Englische - lernen muss um den Programmcode zu verstehen.

Scratch Programmierlernumgebung Bild

Ich möchte nun einen kleinen Einblick in das geben, was ich nach dem ersten Durchführen des Kurses erfahren habe. Wo haben wir angefangen, wo sind wir gekommen. Was haben wir verändert und was werden wir noch ändern.

Disclaimer

Ich bin kein ausgebildeter Pädagoge oder Lehrer. Ich bin nur ein nerdy Dad, welcher seinen Töchtern die Computerwelt und die Technik näher bringen wollte... und um ein wenig etwas anderes aufzuzeigen als das, was die Mutter mit dem Basteln und Malen ansonsten mit ihnen tut.

Aufbau des Kurses

Der Kurs ist ziemlich lose aufgebaut und beinhaltet keine starre Struktur. Die Kinder haben bereits im Vorfeld die Gelegenheit existierende Projekte als Endprodukt und im Quellcode kennenzulernen. Sie spielen die Programme durch, sie sehen, wie das Programm aufgebaut ist. Und obwohl es zum Teil sehr kompliziert ist, finden sie meistens die Einstiegspunkte und die markanten Stellen, an denen sie etwas ändern können um einen Effekt im Spiel zu sehen.

Ursprünglich wollte ich, dass die Kinder mir mitteilen, welches der Programme und Spiele, welche sie gefunden haben, wir nachmachen sollen. Ich musste jedoch feststellen, dass was sie sich vorgestellt haben, für ein paar Stunden die Woche während dem Kurs kaum realisierbar ist. Dennoch greife ich die markantesten Punkte aus den Wünschen heraus und versuche ein Spiel zusammenzubauen, welches in der Zeit von 2 Stunden erstellt werden kann, wenn man Schritt für Schritt das Spiel gemeinsam programmiert.

Der erste Kurse ist für das Kennenlernen der Umgebung bestimmt. Man lernt die einzelnen Komponenten und die verschiedenen Ebenen kennen. Wo kann man eine Figur anpassen? Wie kann man neue Figuren hinzufügen. Wie ändere ich den Hintergrund.
Die ersten Konzepte folgen automatisch. Wenn ich etwas immer wieder machen will, dann muss ich eine Schleife verwenden. Wo finde ich sie? Aha in der Kategorie "Steuerung". Dort finde ich auch, dass ich es auf unterschiedliche Weise wiederholen kann: ich kann z. B. nur 10x wieder holen, oder aber fortlaufend.

Das Computerspiel mit dem Käfer Bild

Ab dem zweiten Kurs spielen wir zuerst ein vorbereitetes Spiel, danach bauen wir es nach, Schritt für Schritt. In dieser Zeit besteht ein Raum für individuelle Anpassungen. So wird ein Käfer zum Roboter und die Äpfel, die er essen soll zu Schrauben.
An schwierigen Stellen, verweilen wir ein wenig länger, da die Konzepte zum Teil sehr schwierig zu verstehen sind. Spielerisch kann man aber durch Substitution gewisser Komponenten merken, warum etwas verwendet werden muss, statt etwas anderes, was man vielleicht ursprünglich gedacht hätte. Das Resultat ist stets sofort ausführbar und sichtbar.

Am Ende jedes Kurstages bleiben stets etwas 20 Minuten Zeit um das fertige Spiel zu individualisieren...

Da staunt der Instruktor

... und genau bei diser Individualisierung war ich einige male Baff. Die Kinder kommen auf Ideen, die ich niemals berücksichtigt hätte. Es werden Programmteile verändert, welches die Funktion in die gewünschte Richtung verändern. Es wird vereinfacht oder aber auch besser und genauer gemacht. Das Learning by Doing funktioniert mit den Kindern prächtig.

Da alle Funktionen der Programmierlernumgebung Scratch zur Verwendung offen stehen, fügen die Kinder diese auch auf die fertigen Programme und Spiele hinzu. Denn diese sind auf deutsch gut leserlich und verständlich. So kann statt einer festen Zahl 25 eine "Zufallszahl von 10 bis 30" das Spiel markant verändern. Zum Beispiel bei der Geschwindigkeit der bewegten Teile. Statt alle gleichmässig, bewegen diese sich nun unterschiedlich. Eine ganz neue Dynamik entsteht.

Die Kinder nehmen aktiv teil, lernen schnell und sind überaus kreativ. Ich hätte es mir nicht so vorgestellt. Am Anfang habe ich den Kurs mit meinen Töchtern vorbereitet und da sind mir diese Eigenheiten aufgefallen. Wenn man ihnen das Werkzeug zeigt, können sie etwas damit bauen. Sie beschränken sich aber nicht auf das was der ursprüngliche Zweck des Werkzeugs darstellt, sondern erweitern den Zweck nach belieben. Nach dem Motto "solange es funktioniert... alles gut".

Ich möchte hier erwähnen, dass nach etwa einer Stunde des Unterrichts wir eine "Zwangspause" von etwa 10 Minuten machen, bei der die Kinder etwas trinken, knabbern und nicht am Computer sitzen dürfen. Sie unterhalten sich und spielen non-virtuell.
Ursprünglich dachte ich, dass keine Zwangspause nötig wäre und gab 10 Minuten Pause ohne Auflagen. Jedoch waren die Kinder so in den Bildschirm versunken, dass man den Zwang einführen musste. Man konnte sich nach einer Zwangspause auch deutlich besser konzentrieren. Ein eventuelles Problem wurde einfacher gelöst, weil man mit der Pause eine gewisse Distanz zum Problem gewonnen hatte. Alles wie es auch im realen Arbeitsleben so ist. Nothing new here.

Zuhause wird weiter gemacht - Suchtpotenzial

Nach einem Kurs möchte der Schüler nach Hause und gleich weiter machen. Die Eltern erzählen, dass die Kinder es kaum erwarten können bis zum nächsten Kurs. Zuhause wird fleissig weiter gearbeitet, gespielt und gelernt. Da ich das Suchtpotenzial im Ganzen sehe, rate ich natürlich bereits im Allgemeinen zu einer Beschränkung der Zeit am Computer. Nicht nur für das Fernsehen, YouTube Videos oder das Gaming sondern auch für die Programmierung.

Ich lasse meine Kinder höchtens zwei Stunden am Tag alternativ vor dem Computer oder Fernseher sitzen, dabei gibt es zwei mal die Woche digital days off. Da wird non-virtuell gespielt, gebastelt oder gespielt.

Fazit

Der Kurs "kids programmieren" hat mir aufgezeigt, dass die Kinder mehr wissen oder besser lernen können als ich mir das jemals vorstellen konnte. Statt dem Auswendiglernen, werden durch das spielerische Lernen bereits die wichtigsten Konzepte der Programmierung erfolgreich angewandt. Die Kinder sind happy und bisher die Eltern auch. Die Kinder verstehen zum Teil auch die komplizierten Konzepte, nicht explizit, aber deutlich durch die Handhabung dieser bei der individuellen Anpassung der gemeinsam erstellten Programme.

Ich möchte in den nächsten Kursen mehr Freiräume einbauen, sprich den Kindern mehr Zeit lassen ihre individuellen Wünsche zu implementieren und testen. Wahrscheinlich werden wir zwischen durch einen Kurstag mit rein freier Programmierung einführen. Dabei werden auch die übergeordneten Kategorien der Softwareentwicklung eingeführt, wie die Planung, Machbarkeitsanalyse etc. Des Weiteren, wird der nächste Kurs ein fortlaufender ohne Anfang und Ende sein. Die neuen Kinder werden schnell in das System eingeführt und sollen so schnell wie möglich mit den bereits erfahrenen Kindern an grösseren "Projekten" arbeiten.

Weitere Informationen zu sar3edu.

Über sar3

sar3 macht Webseiten, Webentwicklung und schult in Einsiedeln, Schweiz technisches Zeugs. Wir betreuen Nearshoring Projekte für diverse Schweizer Unternehmungen auf dem Balkan. Aus Spass machen wir auch YouTube Videos. Mehr erfahren Sie hier.

by sto on 20.01.2020